TAGUNG 2013


JAHRESTAGUNG 2013

30 Jahre Internationaler Arbeitskreis Druck- und Mediengeschichte e.V.

Swiss-Stil – Besonderheiten einer bemerkenswerten Typographiegeschichte















Link zum Tagungsort:
Museum und Druckerei Typorama
Fabrikstrasse 30a
CH-9220 Bischofszell
++41 (0)71 422 28 20 Telefon
++41 (0)71 422 60 68 Telefax
www.typorama.ch


DOWNLOAD PROGRAMM als PDF-Datei (Stand 8. Juli 2013) [142 KB]



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Protokoll der Jahrestagung 2013
Swiss-Style – Besonderheiten einer bemerkenswerten Typographiegeschichte

Am Donnerstag, den 31. Oktober, traf man sich im Hotel Taverne zur Linde in Bischofszell. Beim Abendessen wurden in gemütlicher Atmosphäre interessante Fachfragen diskutiert.

Das Programm begann am Freitag, den 1. November, um 9:30 Uhr mit einer gemeinsamen Bahnfahrt von Bischofszell nach St. Gallen. Dort führte uns ein kurzer Spaziergang durch die historische Innenstadt in die Stiftsbibliothek des Klosters.

Nach der Begrüßung durch den Altbibliothekar, Prof. Dr. Ernst Tremp, brachte uns eine Führung die Geschichte des Klosters und die in der Bibliothek ausgestellten Schätze nahe – aktuell wurden Handschriften und frühe Drucke der Bibel von der Spätantike bis ins 16. Jahrhundert gezeigt.

Um 11:30 versammelte man sich im Tafelzimmer des Regierungsgebäudes zum Jubiläumsempfang aus Anlass des 30jährigen Bestehens des IADM. Der Vorsitzende, Dr. Harry Neß, eröffnete die Sitzung, indem er den Festredner Prof. Jost Hochuli und die Teilnehmer begrüßte und den Kollegen vom Typorama Bischofzell, allen voran Walter Ochsenknecht, für die hervorragende Organisation dankte. Er sprach dann über „30 Jahre IADM“ als Erfolgsgeschichte eines ehrenamtlichen Engagements, das sowohl Grundlage als auch Folge einer heiteren stoischen Gelassenheit in Zeiten stürmischen technischen Umbruchs ist.

Anschließend wurde der neue Flyer des IADM vorgestellt und verteilt. Dank ging an die Schüler der Gutenberg-Schule in Frankfurt am Main, die ihn gestaltet haben, sowie an Silvia Werfel, die das Projekt betreute. Roger Münch übernahm die Leitung der Sitzung und gab dem Festredner das Wort. Prof. Jost Hochuli aus St.Gallen beschrieb in seinem Festvortrag „Bauhaus, Zürich, Basel – und einiges daneben“, wie die in den 1920er Jahren entwickelten neuen typografischen Ansätze nach 1930 in der Schweiz aufgegriffen und modifiziert wurden und wie dabei seit den 40er Jahren ein ideologisch aufgeladener Richtungsstreit entbrannte über Satzspiegel (symmetrisch – asymmetrisch) und über Schriften (mit /ohne Serifen, später Univers – Helvetica), dessen Heftigkeit aus der historischen Distanz kaum mehr nachzuvollziehen ist. Jost Hochuli, geboren 1933, trat als Forscher und zugleich als Zeitzeuge auf und rückte neben den beiden Wortführern Jan Tschichold und Max Bill auch andere einflussreiche, dabei weniger dogmatische Typografen in den Fokus, zum Beispiel Rudolf Hostettler.

Nach dem Mittagessen im Restaurant Drahtseilbahn in Sankt Gallen ging es mit dem Zug zurück nach Bischofszell. Um 15:30 Uhr traf man sich zur Fortsetzung der Tagung im Typorama.
 Harry Ness begrüßte Paul Wirth, den Gründungsvater des Typorama, den Stiftungspräsidenten Viktor Heer sowie den Stadtpräsidenten Josef Mattle. Er verwies darauf, dass sich in den letzten zwei Jahren viele Druckmuseen mit dem Schwerpunkt Typographie und Kunst befasst hätten. Der IADM schließe sich dem bewusst an und sei besonders erfreut, dass zum 30-jährigen Jubiläum der Vortrag von Jost Hochuli zustande gekommen sei.

Viktor Heer hieß alle Beteiligten herzlich willkommen und schilderte kurz die Entstehungsgeschichte des Typorama, das nach Anfängen in St.Gallen heute im Nebengebäude einer früheren Pappenfabrik in Bischofszell untergebracht ist. Josef Mattle stellte in seinem Willkommensgruß die Stadt mit ihrer Geschichte, ihren Industriezweigen und ihren kulturellen Aktivitäten vor. 
 Roger Münch verlas ein Grußwort von IADM-Gründer und Ehrenmitglied C.W. Gerhardt, der leider nicht an der Tagung teilnehmen konnte. Silvia Werfel lieferte dann im ersten Referat des Nachmittags unter dem Motto „Typisch deutsch? Typisch schweizerisch?“ einen kleinen Überblick zur Entwicklung der Typografie im 20.Jahrhundert. Peter Neumann berichtete aus der Perspektive eines führend Beteiligten über „Verwandlungen im Druckgewerbe ... in der Bundesrepublik Deutschland in den Jahren 1950 bis 1990“.

Danach fand die Mitgliederversammlung des IADM statt, gefolgt vom Abendessen mit dem landestypischen Käsefondue, das Gertie Mohr durch den Vortrag eigener Gedichte bereicherte.

Am Samstag, den 2. November ging es morgens um 9:00 Uhr weiter mit den Vorträgen zum Thema. 
Lukas Hartmann demonstrierte „Die Schweizer Typografie und ihr(en) Niederschlag in den Typografischen Monatsblättern“ anhand vieler Beispiele und verdeutlichte so noch einmal im Detail, was Jost Hochuli und Silvia Werfel am Vortage angerissen hatten.

Otmar Hoefer schilderte „Das bewegte Leben einer Schrift ...“, indem er die Realisierung der Helvetica mit zunehmend moderneren technischen Mitteln zeigte – von der Bleisatztechnik über die verschiedenen Stufen des Fotosatzes bis zum heute üblichen Weg der Digitalisierung. 
 Paul Wirth stellte schließlich klar, dass die „Mikro-Typographie an der Setzmaschine“ Feinheiten erlaubt, die gemeinhin nur im Handsatz für möglich gehalten werden.

Nach einem Mittagsimbiss bot das Typorama-Team einen musikalischen Ausklang. Eine „Symphonie an den Setzmaschinen. Fliegende Matrizen in Messing und Blei“ kombinierte Blasinstrumente mit Linotype und Typograph und rundete damit die gut organisierte Tagung ab.

Renate Dölzer / Volker Benad-Wagenhoff








Folgende Vorträge der Jahrestagung sind zum Download verfügbar:

Download Vortrag: 30 Jahre Internationaler Arbeitskreis für Druck und Mediengeschichte: eine Erfolgsgeschichte von Dr. Harry Neß [340 KB]

Download Vortrag: Verwandlungen im Druckgewerbe - Zeitzeugenbericht über dessen Veränderungen in der Bundesrepublik Deutschland in den Jahren 1950 bis 1990 von Peter Neumann [239 KB]


Weitere Vorträge zum Download folgen in Kürze!



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Fotos: Copyright Sascha Boßlet







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